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Jens Ziller, Leiter von Immanuel Dialog, und Stefanie Lemmer, Beraterin im Gesundheitsmanagement, bei Immanuel Dialog waren zu Gast bei Radio Paradiso. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Moderatorin Julia Nogli stand die Frage: Was funktioniert wirklich, wenn es um Gesundheit am Arbeitsplatz geht? Hören Sie gerne in das Interview rein und gewinnen Sie Einblicke, welche Instrumente zur Prävention und Intervention tatsächlich wirksam sind und wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden auf dem Weg zu einem gesunden Arbeitsumfeld unterstützen können.

Gesundheit am Arbeitsplatz: woran es oft scheitert und was wirklich hilft

Jens Ziller, Leiter von Immanuel Dialog und Stefanie Lemmer, Beraterin im Gesundheitsmanagement bei Immanuel Dialog sprechen in der Sendung „Natürlich gesund“ auf Radio Paradiso über Maßnahmen, die die Gesundheit von Mitarbeitenden nachhaltig fördern.

Julia Nogli: Gesundheit am Arbeitsplatz, woran es oft scheitert und was wirklich hilft. Das ist unser Thema heute hier bei Radio Paradiso mit Natürlich gesund. Mein Name ist Julia Nogli.

Zwei Experten habe ich hier im Studio. Einmal Stefanie Lemmer, Beraterin im Gesundheitsmanagement im Rahmen von Emanuel Dialog, auch systemischer Coach und Mediatorin. Hallo erst mal.

Stefanie Lemmer: Hallo.

Julia Nogli: Und Jens Ziller ist da, systemischer Coach, Burnout-Therapeut und Leitung Emanuel Dialog. Hallo, ich grüße Sie.

Jens Ziller: Hallo, ich grüße Sie.

Julia Nogli: Frau Lemmer, mit Ihnen fange ich mal an. Was fällt denn eigentlich alles unter Gesundheit am Arbeitsplatz? Das ist ja ein recht weites Feld, oder?

Stefanie Lemmer: Das ist ein sehr weites Feld. Also natürlich einmal die körperliche Gesundheit, aber am Arbeitsplatz ist auch ganz entscheidend die mentale Gesundheit. Und das heißt, wie geht es uns mit den Kolleginnen und Kollegen?

Wie geht es mir mit meinen Arbeitsaufgaben an sich? Und da gibt es viele Faktoren, die das ja ein bisschen stören können, sozusagen.

Julia Nogli: Ja, Herr Ziller, es ist ein weites Feld, aber es gibt Maßnahmen und Strukturen, die helfen können. Was ist das und was hilft denn Arbeitnehmern?

Jens Ziller: Das betriebliche Gesundheitsmanagement besteht ja aus verschiedenen Teilen. Und eins davon, worüber ich berichten möchte, ist das betriebliche Eingliederungsmanagement. Da haben sich ja die Hörer auch schon mal damit zu tun gehabt.

Und das betriebliche Gesundheitsmanagement kümmert sich um kranke Mitarbeitende, langzeiterkrankte Mitarbeitende, ganz konkret sechs Wochen. Wenn Mitarbeiter über sechs Wochen erkrankt sind, bekommen sie vom Unternehmen das betriebliche Eingliederungsmanagement, das BEM, angeboten. Ja, und dieses Angebot ist freiwillig.

Der Arbeitgeber ist aber verpflichtet, gesetzlich verpflichtet, dies anzubieten. Das ist die große Frage. Wie bietet man das an?

Wer führt das durch? Und da sind wir schon beim Thema. Welche Personen sind das?

Oftmals sind es halt Vorgesetzte, die das Gespräch mit den Mitarbeitenden führen. Betriebsrat manchmal auch. Das kommt immer darauf an, wie man das miteinander vereinbart.

Und da gibt es aber auch in der Wirkung gewisse Unterschiede. Wenn also der Leiter den Mitarbeitenden fragt, wie geht's Ihnen denn? Worunter leiden Sie denn?

Welche Krankheiten sind denn das? Und wie können wir Ihnen helfen? Ja, dann ist der Mitarbeitende in der Zwickmühle dann doch bekannt geben zu müssen, welche Erkrankungen er hat.

Okay, mit einem Beinbruch ist das kein Problem. Wenn die Person aber in einer persönlichen Krise steckt, mit einer Trennung, mit Trauerfällen oder auch mit einer mentalen Schwierigkeit, also dass man mal so eine depressive Phase hat, dann möchte man das dem Arbeitgeber eigentlich nicht mitteilen. Und daran kann ein BEM scheitern.

Man spricht zwar darüber, ist der gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen. Ja, und dann kann man das BEM auch schon beenden. Man hat darüber gesprochen, aber der Inhalt verpufft.

Dann brauchen wir es auch nicht machen. Ja, das hilft dem Betroffenen nicht. Und wir empfehlen deshalb immer das betriebliche Einleitungsmanagement einem externen Anbieter oder einer unabhängigen Person im Unternehmen, der möglichst nicht mit der Leitung zu tun hat, das so einzurichten, dass eine externe Person das machen kann.

Ja, genau. Und dann sehen die Gespräche nämlich ganz anders aus. Der Betroffene, die Mitarbeiterin kann sich der Person öffnen, kann auch wirklich erzählen, worum es eigentlich geht.

Und so kann man eben auch mit unserer Expertise, mit den verschiedenen Bereichen, die wir halt auch Tag aus Tag ein auch beschäftigt sind, mit den Kenntnissen auch eine wirkliche Hilfe anbieten. Und auch miteinander beraten, wie kann man denn mit dem Vorgesetzten umgehen, wenn man das halt nicht sagen will? Wie kommt man trotzdem an sein Ziel?

Nämlich indem man miteinander vereinbart, okay, eigentlich bräuchten Sie jetzt eine Pause. Eigentlich bräuchten Sie jetzt eine Therapie. Eigentlich bräuchten Sie eine Minderung der Arbeitszeit.

Ja, das sind nur einige Beispiele oder einige Themen, worüber man beim betrieblichen Einleitungsmanagement spricht. Und das ist nicht nur ein Thema oder ein Tag, mit dem man halt miteinander spricht, sondern es kann auch über einen längeren Zeitraum mehrere Gespräche geben.

Julia Nogli: Frau Lemmer, ich habe es eben so ein bisschen rausgehört. Sprechen wir hier mehr über psychische Krisen oder Burnout und solche Geschichten als über körperliche Krankheiten?

Stefanie Lemmer: Also es ist beides natürlich ein Thema, weil beides beeinflusst sich ja auch gegenseitig. Also es ist ja auch kein Geheimnis mehr. Man weiß, dass wenn wir psychisch sehr lange über einen längeren Zeitraum belastet sind, dass das auch Auswirkungen auf unseren Körper hat.

Aber es geht vor allen Dingen um das Thema Prävention. Weil im Arbeitsleben ist es ja so, dass der Wunsch aller ist, nicht krank zu werden. Also erst mal aus persönlicher Sicht, aber natürlich auch aus unternehmerischer Sicht.

Und das betriebliche Einleitungsmanagement, das kommt ja dann zum Tragen, wenn die Menschen bereits über einen längeren Zeitraum auch erkrankt sind und ist aber eine sehr gute Möglichkeit, wenn es, wie gesagt, mit einer hohen Qualität durchgeführt wird, dass diese Menschen auch wieder gut an den Arbeitsplatz zurückkommen. Das ist ja das Ziel oder sollte das Ziel sein eines betrieblichen Einleitungsmanagements. Und dann gibt es natürlich auch noch diesen Bereich der Gesundheitsförderung.

Und da sind wir wirklich im präventiven Bereich. Also das heißt, dass es Maßnahmen gibt im Unternehmen, die bestenfalls dazu führen, dass Menschen gar nicht krank werden oder zumindest, wenn sie erkranken, dann die Ausfallzeiten reduzieren. Und das Thema mentale Gesundheit spielt gerade in den letzten Jahren, also das sagen auch die Berichte der Krankenkassen, egal wo man hinschaut, eine sehr, sehr große Rolle und belasten Unternehmen zunehmend.

Und es ist ja auch so, wenn Menschen ausfallen und nicht mehr arbeiten können, dann übernehmen Kolleginnen und Kollegen die Arbeit. Und das ist auch nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Und dann, also es ist sozusagen etwas, das Thema Prävention, etwas zu investieren, etwas anzubieten und wahrzunehmen im Vorfeld ist sehr, sehr sinnvoll.

Das wird häufig dann erst am Ende klar.

Julia Nogli: Und was kann es sein, dass man da Yoga macht, Sport, und wie sich mental austauscht, Meditation?

Stefanie Lemmer: Was kann es sein? Genau, also genau all diese Dinge, die Sie angesprochen haben. Also alles, was uns sozusagen entspannt unsere Akkus wieder aufladen lässt.

Und aber natürlich auch ganz viel Strukturen innerhalb des Unternehmens. Also Strukturen ist einmal die Prozesse bei der Arbeit. Kann ich überhaupt das, was meine Aufgabe ist, mit den Mitteln, die mir zur Verfügung gestellt werden, machen?

Also das ist ein Teil, wobei wir das jetzt nicht so direkt beraten. Aber vor allen Dingen eben auch, wie sind wir im Team miteinander? Fühlen wir uns wohl im Team?

Können wir gut miteinander arbeiten? Also das Thema Prävention aus meiner Sicht als Mediatorin. Ich erlebe das auch immer wieder in Beratungen und in Coachings, dass das Thema Kommunikation und Konflikt ein ganz großes Thema ist.

Was ich halte es für sehr sinnvoll, auch aus Unternehmersicht, das wirklich zu beachten und zu gucken.

Jens Ziller: Ja, also weil du das gerade so geschildert hast, das fällt mir auch mal wieder auf, dass die Rückmeldungen von den Mitarbeitenden, die zum BEM kommen, immer wieder sind. Das ist toll, dass mal jemand mit mir spricht über diese Dinge. Ja, das hören sie sehr selten in den Teams, weil man spricht nicht drüber, über die Belastung.

Das ist ja auch immer recht schwierig, so etwas zu tun, auch über die Leitung, wie auch immer. Es ist schwierig, einfach einmal seine Sorgen, seine gesundheitlichen Probleme zu schildern und um Lösungen da zu verhandeln. Das hören wir immer wieder, dass es da auch fehlt.

Und das ist es, was das Gesundheitsmanagement auch bringt. Ja, das Miteinander kommunizieren über dieses Thema. Und das ist diese Prävention, die es dann auch bringen kann, auch im BEM.

Was kann man dafür tun, damit man nicht wieder erkrankt? Es geht nicht nur darum, Menschen gesund zu machen, möglichst schnell wieder in den Arbeitsprozess zu bringen, sondern unter der Bedingung, dass man Dinge miteinander vereinbart, dass man nicht wieder erkrankt.

Julia Nogli: Und Frau Lemmer, es gilt jetzt für sie beide auch. Wie muss ich mir das vorstellen? Sie bieten sowas ja an.

Kommt denn jemand von Ihnen in den Betrieb? Wie ist es konkret oder wie sieht es aus?

Stefanie Lemmer: Ja, ganz konkret kann man sagen, also es gibt verschiedene Maßnahmen, die wir anbieten. Das ist einmal im Sinne von Schulung. Also wie gehe ich persönlich?

Weil Sie hatten das vorhin auch angesprochen mit Meditation, Entspannungsübungen. Also wie kann ich sowas machen? Also das leiten wir erstens an, aber zum anderen überhaupt erst mal dieses ganze Portfolio mal so auf den Tisch zu legen.

Was gibt es denn da eigentlich? Und da gibt es ja sehr gut evaluierte Methoden. Und wo muss ich hingehen?

Oder wie läuft das auch über den Arbeitgeber? Also natürlich kann der Arbeitgeber auch so etwas fördern, dass man das auch in Form von Zuschüssen, dass man sowas in Anspruch nimmt. Aber zunächst geht es eben darum, wenn wir wieder beim Thema Kommunikation sind, in Form einer Mitarbeitendenberatung.

Die Mitarbeitendenberatung ist ein Format, was Mitarbeitende kostenfrei in Anspruch nehmen können. Also das übernimmt der Arbeitgeber. Und ganz wichtig ist an der Stelle auch zu sagen, das ist ein geschützter Raum.

Also es ist eine anonyme Beratung. Der Vorgesetzte, die Geschäftsführung, erfährt davon nichts. Und das ist ein wichtiges Thema.

Also auch da diesen Raum zur Verfügung zu stellen. Und da kann man dann eben auch mal, so wie Herr Ziller das sagt, manchmal hilft es tatsächlich einfach mal, drüber zu sprechen und mit einer Person, die neutral ist, die nichts damit zu tun hat, die aber fachliches Wissen hat und die richtigen Fragen stellen kann. Und eventuell aber auch, wenn es sich schon um, weil das wird auch häufig gefragt, ganz praktisch, dass Menschen das gar nicht so sehr einschätzen können.

Wie geht es mir eigentlich? Also ist es schon so, dass ich irgendwo zum Arzt muss oder zu einem Therapeuten? Oder reicht es, wenn ich mich etwas intensiver mit meiner mentalen Gesundheit beschäftige?

Und was heißt das konkret für mich? Natürlich sind wir keine Ärzte. Wir können keine Diagnosen stellen, aber wir können auf jeden Fall Hinweise geben, in welche Richtung das geht und sind sozusagen auch so eine Verteilstation.

Ich sehe mich manchmal auch als Verteilstation für andere Maßnahmen oder andere Türen, die dann aufgehen können. Aber letzten Endes noch mal auf diese Prävention einzugehen. Also es gibt ja sowas wie Verhältnisprävention, nennen wir das in der Fachsprache in Unternehmen.

Also welche Verhältnisse finden wir vor? Also wie sind die Leitungs- und Führungskräfte auch dahin geschult? Wie auch Herr Zeller vorhin sagte, wie spreche ich denn einen Mitarbeitenden an, wo ich merke, der hat sich verändert, der ist nicht mehr so leistungsfähig.

Woran liegt es eigentlich? Wie ist die Motivation auch in Teams? Kann er das?

Kann er das gut? Also auch Führungskräfte dürfen sich gerne von uns beraten lassen, dahingehend, wie sie kommunizieren. Aber du wolltest doch...

Jens Ziller: Genau, ich wollte auf die Führungskräfte noch mal eingehen. Da ist ja auch eine große Not. Wir sind ja nicht nur für den Mitarbeitenden zuständig im BEM, sondern auch für die Leitungskräfte.

Wie kann ich eine Person ansprechen, die eben in Schwierigkeiten ist? Wenn ich vermute, derjenige nimmt irgendwelche Mittelchen, damit er auf Arbeit stabil bleibt zum Beispiel. Das ist total schwierig für eine Leitung.

Den Leitungen stehen wir zur Verfügung, zur Beratung. Wie kann ich da so was machen? Gibt es ja auch, wenn jemand mit Alkohol Schwierigkeiten hat, daran erkrankt ist, dass man eine bestimmte Struktur der Vorgehensweise miteinander bespricht, vereinbart, um denjenigen wirklich auch Schritt für Schritt möglichst aus der Sucht zu helfen.

Und ja, das ist auch eine große Hilfe für die Leitung.

Julia Nogli: Und Sie haben ja auch sehr viel, alle beide sehr viel Erfahrung in all dem. Das heißt, die Dinge ähneln sich dann vielleicht auch ein bisschen. Sie wissen schon, das könnte das sein, das könnte das sein.

Oder Sie sind Burnout-Coach. Also Sie haben auch sehr viel Erfahrung, die Sie da schon mitbringen.

Jens Ziller: Ja, genau. Also Dialog gibt es ja schon seit, ich weiß gar nicht...

Julia Nogli: 20 Jahre habe ich gelesen. Ja, 20 Jahre.

Jens Ziller: Letztendlich sind es 20 Jahre. Da sammelt sich einiges an. Ja, und deswegen freuen wir uns immer, wenn Leitungskräfte zu uns kommen, trotz des Stresses, den sie auf Arbeit haben.

Ja, das muss man ja immer mal dazusagen. Also die Leitungskräfte kommen sehr wenig eigentlich dazu, sich mit diesen Dingen zu befassen, was Gesundheit betrifft, sondern sind extrem viel damit befasst, das Team leistungsfähig zu erhalten. Das steht an allererster Stelle, auch die Finanzen zu sichern.

Das Unternehmens. Und wenn dann jemand dabei ist in dem Termin, der nicht mehr kann, der älter ist, vielleicht auch nicht mehr diese Leistung bringen kann, dann kann man ihn ja einfach nicht. Ja, tschüss.

Also so geht das nicht. Ja, man muss das anpassen miteinander. Und da kommen eben Leitungskräfte eher weniger dazu, darüber zu kommunizieren, zu nachzudenken oder auch Maßnahmen zu ergreifen, was wiederum Schwierigkeiten auch bringt im Team.

Ganz oft, wenn der eine das bekommt, diese Maßnahme, nämlich er darf nicht mehr diese schweren Sachen heben oder andere Schichten, muss keine Schichten mehr machen. Muss keine Extraschichten machen, weil die Kollegin ist krank geworden. Das muss mitgemacht werden.

Und die Person ist aber selber sehr gefährdet. Da sollte man miteinander sprechen. Dazu gibt es das BEM, um sowas zu besprechen oder auch Gutachter, wie zum Beispiel den Betriebsarzt zu informieren.

Bitte checken Sie mal, ist das für diesen Arbeitsplatz wirklich auch mit dieser Person, mit diesen Beeinträchtigungen? Was empfiehlt der Betriebsarzt dazu? Und diese Einschätzung holen wir ein und setzen uns dann unter Umständen zu dritt zusammen, Betriebsarzt, Leitung und ich, und schauen dann, welche Maßnahmen in dem Falle angemessen sind.

Und da kann eben der Kollege nicht sagen, ach, das möchte ich jetzt auch haben. Nein, es geht um das BEM, das sind Sondermaßnahmen.

Julia Nogli: Genau, ja, das gibt einen Rahmen. Und Frau Lemmer, es lohnt sich ja langfristig. Darüber gibt es ja auch Studien, glaube ich.

Stefanie Lemmer: Es gibt Studien, auf jeden Fall. Also es gibt sogar Studien, die besagen in Richtung des ROI, des Return on Invest, also jeder eingesetzte Euro. Und jetzt gibt es unterschiedliche.

Also es ist auf jeden Fall 1 zu 3, 1 zu 6, also je nachdem, welche Studie Sie fragen. Also langfristig lohnt sich das. Aber das ist ein ganz wichtiges Thema, dieses Verständnis dafür zu haben.

Weil natürlich, wenn ich merke, als Unternehmer oder in einem großen Betrieb, mir fallen die Leute weg, der Krankenstand wird immer höher und höher. Auch wenn generell vielleicht für diese Branche das auch sichtbar ist, aber ich bin ja selber betroffen, dann ist natürlich diese Entscheidung, fällt auf den 1. Blick schwer zu sagen, investiere ich denn jetzt noch da rein?

Und weiß aber, dass ich ganz kurzfristig wahrscheinlich keine Verbesserung habe. Es ist da aber wichtig zu wissen, dass langfristig das auf jeden Fall mit einer Verbesserung zu erwarten ist. Es gibt so ein paar Stellschrauben, die ganz wichtig sind.

Und es fängt wirklich von oben an. Also überhaupt dieses, dass eine Konzernführung, eine Geschäftsführung, je nachdem, welche Organisation es ist, sagt, okay, dieses Thema ist uns überhaupt wichtig. Wir nehmen das Thema Mitarbeitendengesundheit auf die Agenda.

Und wir möchten das fördern. Und wir wissen im Hinterkopf natürlich schon, das ist ein Prozess. Aber wir gehen da rein.

Und das heißt auch, wir stellen auch Ressourcen zur Verfügung, auch Geld zur Verfügung. Und da muss ich natürlich aber auch sagen, das wissen eben manche nicht, die kein richtig implementiertes Gesundheitsmanagement haben im Unternehmen, dass da auch ganz viel Förderung von außen gibt. Also auch Krankenkassen fördern solche Maßnahmen.

Also da gibt es Ansprechpartner im Sinne von des Präventionsgesetzes. Aber da will ich jetzt gar nicht so detailliert drauf eingehen.

Julia Nogli: Aber es hängt zum Beispiel auch nicht, wie ich dachte, an der Größe des Unternehmens unbedingt?

Stefanie Lemmer: Nein. Das ist auch ein Klein.

Und da muss man eben genau schauen, was sind denn so die Faktoren, die eine Rolle spielen, dass die Mitarbeitenden überhaupt ausfallen? Da gibt es allgemeine Faktoren. Aber es gibt je nach Team oder Unternehmen auch Faktoren, die man ganz klar auch diagnostizieren kann.

In Form von einer Evaluierung oder einer Befragung. Das ist eine Möglichkeit. Und das ist also das Erste, dass von oben dieses Commitment auch ist.

Und das setzt sich dann weiter fort, dass auch diese vielleicht auch Hemmschwelle überhaupt darüber zu sprechen, dass es ein Thema ist. Für viele wird auch gerade bei Leitungskräften, Führungskräften, merke ich das immer wieder, auch krank zu sein, nicht leistungsfähig zu sein. Das wird eher als Schwäche gesehen.

Und ich würde sagen, das ist gar keine Schwäche, sondern das eröffnet ein wunderbares gemeinsames Lernfeld. Wie können wir es denn besser machen? Also wenn man die Sachen nicht auf den Tisch packt und anschaut, dann kann man in der Regel nichts dagegen tun.

Und vielleicht kann ich dann auch sagen, was nicht so gut funktioniert. Also wenn man jetzt merkt, man stellt fest, die Mitarbeitenden werden häufig krank. Und ich habe da mal gehört, da gibt es tolle Maßnahmen.

Jetzt kriegen die den Obstkorb oder jetzt kriegen die hier den Yoga-Kurs bezahlt oder die Fitnessstudio-Mitgliedschaft gefördert. Das ist natürlich an sich super. Aber wenn das im Gießkannenprinzip gemacht wird und man erwartet, in einem halben Jahr sind alle wieder gesund.

Das wird nicht passieren, sondern man muss schon mal genauer hingucken. Und ja, also ich denke, die persönliche Gesundheit muss sich am Ende des Tages jeder selber kümmern. Aber dieses überhaupt diesen Raum zu schaffen, dass man es, ja, dass es ein Thema ist und dass man es gemeinsam.

Jens Ziller: Genau. Also deswegen gibt es ja dieses bei größeren Unternehmen dieses Gesundheitsmanagement. Das ist häufig auch, wenn es wirklich größere Unternehmen sind, um eben alle Themen, was die Gesundheit der Mitarbeitenden betrifft, zu bündeln und dann koordiniert vorzugehen.

Das ist ganz wichtig. Bei kleineren Unternehmen wird man natürlich nicht ein Gesundheitsmanagement installieren, aber man sollte sich genauso auch fragen, wie geht es unseren Mitarbeitenden? Was wollen wir?

Welche Haltung haben wir als Unternehmen zu diesem Thema? Man stellt dann oft sehr, sehr oft Werte z.B. gemeinsam zusammen, wo eine Gesundheit, wo die Gesundheit auch eine Rolle spielen sollte. Wie wollen wir tatsächlich mit uns miteinander umgehen?

Das haben wir auch in größeren Unternehmen. Und dann leiten sich alle Maßnahmen daraus ab und sollten mit den Werten übereinstimmen. Trotz Arbeitsdruck, trotz finanzielle Schwierigkeiten.

Wir wollen daran festhalten. Und wenn das auch bei den Mitarbeitenden ankommt und die Personen auch diese Dienste, diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen und auch für sich auch einen Nutzen daraus ziehen, dann stehen diese Mitarbeiter auch zum Unternehmen.

Julia Nogli: Frau Lemmer, wenn Sie am Ende noch mal sagen könnten, was Ihnen besonders wichtig ist. Wir hatten ja gefragt, was hilft wirklich?

Stefanie Lemmer: Ja, also es hilft zum einen das Commitment von oben, dass auch wirklich da investiert wird und es auch ernst genommen wird, das Thema. Und dann das Gesundheitspausen, also auch kurze Pausen, die in den Arbeitsalltag integriert werden, dass ein Mitarbeitender weiß, ich kann das jetzt machen. Ich kann mal eine Runde um den Block gehen, um mich zu bewegen.

Weil Bewegung an der frischen Luft ist sozusagen eine der wichtigsten Stressbewältigungsmethoden, die wir auch immer haben. Atemübungen sind wichtig. Zwischendurch kann ich mal irgendwo hingehen und mache eine Atemübung.

Und wenn der Kollege mich sieht, dann werde ich nicht komisch beäugt oder es wird irgendwie als merkwürdig angesehen, sondern es gehört einfach zu unserer Kultur dazu, dass wir wissen, wir brauchen kurze Pausen, um wieder runterzukommen. Also da könnte ich jetzt noch ganz viele Beispiele natürlich bringen, dass es nicht so was ist, machen Sie das mal in Ihrer Freizeit, sondern es ist gewünscht und gewollt, dass man das auch in den Arbeitsalltag integriert. Und dafür braucht es die Führungskräfte.

Und Führungskräfte haben einfach auch eine ganz wichtige Vorbildfunktion. Also gerne auch die Führungskräfte um den Block gehen und mal tief durchatmen, dass auch die Mitarbeitenden das sehen. Dann kann sich sowas auch gut entwickeln.

Und dass man das sozusagen weiß, was man da macht. Da gibt es Beratung und Menschen, Fachleute, die sich damit auskennen. Die können da auch unterstützen, das zu implementieren oder überhaupt auch, dass es zum Thema wird.

Julia Nogli: Schöne konkrete Tipps und immer wieder der Appell, die Dinge auf den Tisch zu packen, gemeinsam anzuschauen und Lösungen zu finden. Letztlich profitiert immer die ganze Firma, das Amt, der Betrieb davon. Wenn Sie mehr wissen wollen über Immanuel Dialog oder auch Kontakt aufnehmen möchten, schauen Sie hier auf www.paradiso.de in unserer Mediathek unter Natürlich gesund, dort wie immer auch die ganze Sendung zum Nachhören. Einen schönen und entspannten Abend für Sie mit Radio Paradiso.

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